Rhythmologie/Elektrophysiologie

Spezielle Arten von Herzrhythmusstörungen bedürfen einer entsprechenden Diagnostik und Behandlung. Diese steht in unsererm Bereich der Rhythmologie/Elekrophysiolgie zur Verfügung.


Rhythmusstörungen der Vorhöfe

  • Typisches Vorhofflattern ist eine Rhythmusstörung aus dem rechten Vorhof welche sich meist mit Luftnot, Herzrasen, Leistungsknick und Müdigkeit bemerkbar macht.  Hierbei kreist eine elektrische Erregung mit ca. 300 Schlägen pro Minute im rechten Vorhof um eine Herzklappe, die Trikuspidalklappe. Das Vorhofflattern kann anhaltend oder kurzzeitig auftreten und ist fast immer mit einer erhöhten Herzfrequenz auffällig. Im Rahmen dessen können sich Blutgerinnsel/Thromben bilden und einen Schlaganfall oder Embolien auslösen. Die meisten Patienten mit Vorhofflattern benötigen über einen bestimmten Zeitraum eine Blutverdünnung. Die Ursache für Vorhofflattern ist meist Bluthochdruck und die koronare Herzerkrankung (KHK).
    Es kann vorübergehend durch eine so genannte elektrische Kardioversion oder endgültig mit großem Erfolg durch eine Ablation behandelt werden.


  • Atypisches Vorhofflattern ist im Gegensatz zur typischen Variante eine Rhythmusstörung aus dem rechten oder linken Vorhof, welche nicht um die Trikuspidalklappe kreist. Beim atypischen Vorhofflattern kann es durch Bildung von Gerinnseln zu einem Schlaganfall kommen, so dass oft für einen gewissen Zeitraum eine Blutverdünnung notwendig ist. Diese Rhythmusstörung tritt oft bei vorerkrankten Herzen mit z.B. Herzklappenfehlern oder mit Herzschwäche auf. Diese kann vorübergehend durch eine Kardioversion oder durch eine Ablation behandelt werden.


  • Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung aus dem Bereich der Herzvorhöfe. Sie ist eine der häufigsten Rhythmusstörungen mit einer Häufigkeit von >15% bei Patienten über 70 Jahre. Das Vorhofflimmern kann phasenweise (paroxysmales) oder auch dauerhaft (permanentes Vorhofflimmern) auftreten und in jeder Form sehr belästigend sein.  

    Bestimmen Sie Ihren Belästigungsgrad:

    • EHRA I – keine Symptome; VHFlimmern verursacht keinerlei Beschwerde
    • EHRA IIa – leichte Symptome; Normale Alltagstätigkeit ist durch VHFlimmer-bezogene Symptome nicht beeinträchtigt
    • EHRA IIb - mittelschwere Symptome; Normale Alltagstätigkeit ist durch VFHlimmern-bezogene Symptome nicht beeinträchtigt, aber Patienten sind durch die Symptome beunruhigt
    • EHRA III - schwere Symptome; Normale Alltagstätigkeit ist durch VHFlimmer-bezogene Symptome beeinträchtigt
    • EHRA IV – behindernd; Normale Alltagstätigkeit ist nicht mehr möglich

    Es ist prinzipiell nicht akut lebensbedrohlich. Es können sich aber über die Dauer Blutgerinnsel, sogenannte Thromben bilden und z.B. einen Schlaganfall auslösen. Mindestens 45% aller Schlaganfälle können so erklärt werden. Zur Vorbeugung bekommen daher viele Patienten mit Vorhofflimmern eine Blutverdünnung mit z.B. Marcumar® oder mit einem der neuen Blutverdünnern (DOAK). Auch eine Herzschwäche kann durch diese Rhythmusstörung ausgelöst werden. Beim Vorhofflimmern kommt es zu einem unregelmäßigen Puls mit Herzrasen und Luftnot, dieser kann auch als zu schneller oder zu langsamer Puls vorkommen. Letztlich kann VHFlimmern auch Ursache einer Herzschwäche, der Herzinsuffizienz sein. Die häufigsten Ursachen neben dem Bluthochdruck sind die koronare Herzerkrankung (KHK), das Alter oder Herzklappenfehler. Die Behandlung kann je nach Patient und Vorhofflimmerart sowohl kurzfristig medikamentös als auch interventionell (z.B. mittels Kardioversion oder Ablation, Pulmonalvenenisolation) behandelt werden.


  • Eine ektope aktriale Tachykardie (EAT) ist eine Vorhofrhythmusstörung, bei der nicht der eigentliche „Taktgeber“ des Herzens, der Sinusknoten arbeitet, sondern schnelle Herzrhythmusstörungen aus anderen, ektopen Gebieten des linken oder rechten Vorhofs kommen. Im Rahmen der Tachykardie kann es zu Symptomen wie Luftnot, Brustschmerzen und Herzstolpern kommen. Eine EAT kann medikamentös oder als Mittel der Wahl mit einer Ablation behandelt werden.


  • Bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) kommt es zu einer kreisenden Erregung in der Verbindung zwischen den Vorhöfen und den Hauptkammern des Herzen. Die Patienten haben typische und wiederholte, plötzlich auftretende (on-off) Herzrhythmusstörung. Häufig betrifft diese Erkrankung jüngere, seltener auch ältere Patienten und vor allem Frauen.


  • Bei Präexitatinssyndromen oder beim WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White-Syndrom) gibt es zusätzlich zur angeborenen reizleitenden Verbindung zwischen den Vorhöfen und Kammern (AV-Knoten), eine oder mehrere weitere, sogenannte akzessorische Leitungsbahnen. Diese können parallel zum AV-Knoten die Erregung rückwärts aus der Kammer und/oder vorwärts in die Kammer leiten und so eine kreisende Erregung zwischen Kammern und Vorhöfen ermöglichen. Auf Grundlage dessen kann es zu einer symptomatischen Tachykardie und in seltenen Fällen auch zur bösartigen Kammertachykardien kommen. Patienten verspüren häufig Herzrasen und Luftnot. Die Syndrome mit zusätzlichen Leitungsbahnen können rein zur Beendigung der Tachykardie mit Medikamenten behandelt werden. Die Therapie der Wahl ist in der Mehrzahl der Fälle eine elektrophysiologische Untersuchung mit Ortung der akzessorischen Bahn und Verödung dieser.


  • Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES) sind zum Teil unbemerkte, teilweise hochsymptomatische Extraschläge aus den Vorhöfen des Herzens. Diese treten unabhängig zum physiologischen Herzrhythmus, dem Sinusrhythmus, auf und können Symptome wie Luftnot, Schwindel und vor allem Herzstolpern verursachen. Zudem können SVES auch Vorläufer von Vorhofflimmern sein.
    Eine medikamentöse Therapie ist oft nicht ausreichend. Die Therapie der Wahl hochsymptomatischer SVES ist eine elektrophysiologische Untersuchung und Verödung der SVES.

Rhythmusstörung der Kammer


  • Ventrikuläre Tachykardien (VT), auch Kammertachykardien genannt, sind schnelle und potentiell lebensbedrohliche Rhythmusstörungen aus den Hauptkammern des Herzens. Je nach Ausprägung der Tachykardie kann es zu Symptomen wie Luftnot, Brustschmerzen (Angina Pectoris), Schwindel, Ohnmachtsanfällen und auch zum plötzlichen Herztod kommen. Die häufigsten Ursachen sind die koronare Herzerkrankung, der akute Herzinfarkt, Narben des Herzmuskels sowie eine akute Herzmuskelentzündung oder extreme Elektrolytstörung im Blut. Aber auch Patienten mit erweiterten Herzkammern, die so genannte dilatative Kardiomyopathie können betroffen sein. Die Therapie der Wahl im Akutfall ist die Beendigung der VT, medikamentös mittels Defibrillation. Einige Patienten benötigen im Verlauf einen Defibrillator (ICD). Eine zusätzliche Therapieoption ist die elektrophysiologische Untersuchung und Ablation der VT.


  • Ventrikuläre Extrasystolen (VES) sind teilweise hochsymptomatische Extraschläge aus den Hauptkammern oder den Ausflussbahnen (RVOT und LVOT) des Herzens. Diese treten zusätzlich zum Sinusrhythmus auf und können Symptome wie Luftnot, Schwindel und vor allem Herzstolpern, seltener auch Ohnmachtsanfälle und Herzschwäche verursachen. Eine medikamentöse Therapie ist oft nicht ausreichend. Die Therapie der Wahl bei häufigen VES ist eine elektrophysiologische Untersuchung und Verödung der VES.



Diagnostik


    • 12-Kanal-EKG
    • 24-Stunden-EKG
    • Belastungs-EKG
    • Eventrecorderausmessungen
    • Schrittmacher- und ICD-Ausmessungen
    • Medikamentöse Provokation oder Diagnostik (Ajmalintest, Gabe von Adenosin)
    • Kardio-MRT
    • PVS über Defi/DFT



    • 3D-Mapping und Navigation mit Erstellen von anatomischen Modellen, Aktivierungs- und Voltagemaps
    • Programmierte Ventrikelstimulation
    • Diagnostik der Reizleitung und Arrhythmiediagnostik

Therapie


    • Antiarrhythmika
    • Betablocker
    • Calciumantagonisten


    • Pulmonalvenenisolation bei VHFlimmern
    • Isthmusablation bei typischem VHFlattern
    • Ablation von SVES und VES
    • Ablation von atypischem VHFlattern und EAT
    • VT-Ablation
    • Ablationen bei AVNRT
    • Ablationen bei Präexitationssyndromen/WPW/AVRT
    • Epikardiale Ablationen