Darmzentrum

Interdisziplinäres Team für optimale Versorgung
Ziel des Darmzentrums Unna ist die optimale Versorgung aller Patienten mit Erkrankungen des Darms. Im Darmzentrum Unna haben sich für eine umfassende medizinische Versorgung Experten aus dem stationären Bereich mit Hausärzten und Gastroenterologen vernetzt. Fachärzte aus verschiedenen Disziplinen sind vertreten und sichern so eine qualitativ hochwertige Behandlung der Patienten. In diesem interdisziplinären Team arbeiten wir auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und Leitlinien zusammen.

Gute Heilungschancen bei frühzeitiger Erkennung und Behandlung
Erkrankungen des Darms gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern, die einer haus- oder klinikärztlichen Behandlung bedürfen. Die Früherkennung, eine richtige Diagnosestellung und eine qualitativ hochwertige Behandlung durch Spezialisten sind für den Heilungserfolg von entscheidender Bedeutung.

Im Rahmen des Darmzentrums Unna werden Patientinnen und Patienten im Katharinen-Hospital durch Fachärzte der Viszeralchirurgie und der Gastroenterologie von der Diagnostik über die Operation bis zur Entlassung gemeinsam betreut.

Kolorektales Karzinom
Das Behandlungskonzept eines Darmkrebses basiert sich auf drei Säulen: Chirurgie, Onkologie und Strahlentherapie. Die operative Entfernung des durch den Tumor betroffenen Darmteiles stellt in der Gesamtbehandlung einen bedeutenden Schritt dar und wird eventuell durch die Chemotherapie und Bestrahlung ergänzt. Daher bedarf jeder Fall einer Darmkrebserkrankung eine individuell angepasste Therapie. Die onkologischen operativen Verfahren sind standardisiert. Durch die Weiterentwicklung der Schlüssellochchirurgie (Laparoskopie) steigt die Anzahl der minimal-invasiv durchgeführten Eingriffe.

Der Darm

  • Dünndarm
    •    Zwölffinger Darm (Duodenum)
    •    Leerdarm (Jejunum)
    •    Krummdarm (Ileum)

    Dickdarm
    •    Blinddarm (Coecum) mit dem Wurmfortsatz (Appendix vermiformis)
    •    aufsteigender Darm (Colon ascendens)
    •    querverlaufender Darm (Colon transversum)
    •    absteigender Darm (Colon descendens)
    •    S-förmig verlaufender Darm (Colon sigmoideum)

    Mastdarm (Rectum)
    Die Darmwand ist typisch dreischichtig aufgebaut. Innen ist der Darm mit  einer Schleimhaut (Mukosa) ausgekleidet. Ihr folgt außen eine zweischichtige muskuläre Schicht (Tunica muscularis), die aus einer inneren Ring- und äußeren Längsmuskulatur besteht. Außen ist die Darmwand entweder mit Tunica serosa oder Tunica adventitis ( je nach Lage des Darmabschnitts) ausgekleidet. die Nahrung aus dem Magen in den Zwölffingerdarm geleitet wird, liegen insgesamt etwa 5 bis 7 Meter Darm vor ihr.Die Muskulatur in der Darmwand wälzt und quetscht den Inhalt und fördert ihn voran (Peristaltik). Die Nährstoffe und Flüssigkeit werden durch verschiedene Enzyme zersetzt und für die Zellen der Darmwand vorbereitet.

    Funktionen des Darmes
    •    Verdauung und Nährstoff-Resorption
    •    Regulation des Wasserhaushaltes
    •    Ausbildung eines Großteils der Abwehrzellen des Immunsystems
    •    Produktion von Hormonen und Botenstoffen

Diagnostik


  • Im Darmzentrum werden alle modernen Verfahren eingesetzt, um Darmerkrankungen zu erkennen:

    • Ultraschalluntersuchung (Sonographie/Dopplersonographie)
    • Endosonographie (Ultraschall von innen)
    • Doppelballonenteroskopie
    • Video-Kapselendoskopie
    • Computertomographie
    • Magnet-Resonanz Untersuchung (Kernspintomographie)
    • Laparoskopie (Bauchspiegelung)
    • Virtuelle Koloskopie

    Apparativ kann die neue Ausstattung am Katharinen-Hospital in ihrem Spektrum mit der von Universitätskliniken verglichen werden.

    Doppelballonenteroskopie
    Eine zentrale Methode, die neu in Unna im interdisziplinären Team durch Prof. Dr. Klaus Schlottmann angeboten werden kann, ist die so genannte „Doppelballonenteroskopie“. Sie erlaubt in einem komplizierten Verfahren das Auffädeln des gesamten Dünndarms auf ein Endoskopiegerät. Dadurch kann der Dünndarm komplett begutachtet und auch behandelt werden. In manchen Fällen wird mit der Doppelballonenteroskopie aber auch erst eine Diagnose gestellt, die dann zu einer gezielten Operation führt.

    Virtuelle Koloskopie
    Die virtuelle Koloskopie gleicht einem virtuellen „Flug“ durch das Organ. Modernste Methoden der Computertomographie und der Einsatz einer speziellen Software machen dieses schonende Verfahren der Darmuntersuchung möglich. Sie dauert nur wenige Minuten und dient beispielsweise der Erkennung von Darmpolypen oder Veränderungen im Darm durch Krebs. Bei auffälligen Befunden muss anschließend eine herkömmliche Dickdarmspiegelung erfolgen, um wichtige Gewebeproben zu entnehmen oder bereits während der Untersuchung krankhafte Bereiche abtragen zu können. 

    Video-Kapselendoskopie
    Ebenfalls durchführbar ist am Katharinen-Hospital inzwischen auch die so genannte Video-Kapselendoskopie. Dazu wird eine etwa tablettengroße Kapsel geschluckt. Sie enthält eine winzige Kamera, über die Bilddaten an einen Computer gesendet werden können. So kann das gesamte Darmlumen inspiziert werden.

    Ergänzende Untersuchungen
    Geben die Voruntersuchungen Hinweise auf eine ernste Erkrankung des Darms, werden ergänzende Untersuchungen auf der interdisziplinären Viszeralstation erfolgen. Die Therapieempfehlungen für die Patienten resultieren aus den wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Tumorkonferenzen. Fachärzte aller Disziplinen – von Onkologie, Innerer Medizin I über die Chirurgie bis zur Gynäkologie, Dermatologie, Radiologie, Pathologie, Strahlentherapie und Palliativmedizin nehmen daran teil. Das Fachwissen aller Bereiche fließt hier zusammen, um individuell beste Therapieempfehlungen zu geben.

Tumor-Erkrankungen

  • Beim Dickdarmkrebs ist in der Regel Operation der erste Behandlungsschritt. Das Ausmass der Resektion richtet sich nach der Lokalisation des Tumors.

    •    Hemikolektomie rechts (Tumor im rechten "aufsteigenden“ Teil des Dickdarmes)
    •    Hemikolektomie links (Tumor im linken "absteigenden“ Teil oder im S-förmigen Teil des Darm)
    •    Transversumresektion (Tumor im queren Dickdarmanteil)

    Die Darmkontinuität wird anschliessend mit einer Naht der beiden gesunden Darmenden wiederhergestellt. Die Anlage eines künstlichen Darmausganges (Stoma) ist in meisten Fällen nicht notwendig.

  • Der 15-18 cm lange Mastdarm liegt im kleinen Becken und endet am After. Für die Planung der Behandlung wird die Höhe des Tumors zum After beurteilt. Während der Tumor im oberen Teil des Rektum meistens primär reseziert wird, bedürfen Tumore in der unteren Hälfte des Mastdarmes eine „sogenannte“ neoadjuvante Vorbehandlung (Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung. Nach einem Intervall von 4 bis 6 Wochen wird die Resektion angeschlossen. Bei der Schließmuskel nahen Tumorlage steigt das Risiko einer Mastdarmamputation (vollständige Mitentfernung des Afters und Schließmuskelapparates) mit einem bleibenden künstlichen Darmausgang. Mit modernen Vorbehandlungskonzepten und besonderen chirurgischen Techniken (colo-anale Rekonstruktion) ist dies eher die Ausnahme. Die Operation richtet sich beim Mastdarmkrebs nach der Lage des Tumors und dessen Abstand zum After.

    •    Rektumresektion mit partiell mesorektaler Exzision (Tumor im oberen Anteil des Mastdarmes)

    •    Rektumresektion mit total mesorektaler Exzision (Tumor im mittleren oder unteren Anteil des Mastdarmes)

    •    Rektumamputation (Tumor unmittelbar am Schliessmuskel oder wächst bereits in den Beckenboden ein)

Funktionelle und entzündliche Darmerkrankungen


  • Die Divertikulose ist eine Erkrankung des Dickdarmes in Form von kleinen Ausstülpungen der Darmwand (Divertikeln) durch Lücken in der Muskulaturschicht. Am häufigsten entsteht die Divertikelkrankheit durch eine unphysiologische Druckerhöhung im Darm infolge einer ballaststoff- und faserarmer Ernährung. Die meisten Betroffenen sind asymptomatisch.

    Die Divertikulitits ist jedoch die häufigste entzündliche Darmerkrankung. In meisten Fällen ist der S-Darm (Sigma) betroffen und man spricht von einer Sigmadivertikulitis.

    Die ersten Schübe einer Divertikulitis werden zunächst konservativ behandelt. Wiederholen sich die Entzündungsschübe mehrfach in kurzen Zeiträumen oder treten Komplikationen auf (Blutung, Fistel, Abszesse oder die Perforation der Darmwand), wird eine Operation empfohlen.

    Die chirurgische Therapie richtet sich auf die Resektion der erkrankten Darmabschnitte. Generell wird die Schlüssellochtechnik (Laparoskopie) bevorzugt. Im Rahmen der Operation erfolgt zunächst eine diagnostische Laparoskopie zur Inspektion der Bauchorgane. Ein weiterer Vorteil neben der kleineren Narben ist der rasche Heilungsprozess.

Erkrankungen des Beckenbodens und des Afters

  • Ansprechpartner:
    Oberärztin PD Dr. Sabine Kersting
    Oberazt PD Dr. Gerhard Leder

Angebote des Zentrums


  • Schonende Operationen
    Wenn ein Operationsverfahren herangezogen werden muss, unterscheidet es sich je nach Erkrankung (Bösartigkeit, Entzündung, funktionelle Darmbeschwerden). Die Operationsmethoden (minimal-invasive, sanfte OP oder offene OP) entsprechen modernsten Empfehlungen und werden blutsparend durchgeführt. Operationen am Darm sind in unserer Klinik Routineeingriffe.

    Spezielle Geräte zur Vermeidung eines künstlichen Darmausgangs
    Die Erhaltung des Schließmuskels ohne dauerhaftes Stoma (künstlicher Darmausgang) kann heute mit modernsten OP-Techniken in über 90 Prozent realisiert werden. Zusätzlich steht bei Operationen am Enddarm (Rektum) eine spezielle Geräteausstattung (u.a. Lone-Star) zur Erhaltung des Schließmuskels zur Verfügung. Dadurch kann in den meisten Fällen auf die dauerhafte Anlage eines künstlichen Darmausgangs – zum Beispiel bei Tumoroperationen – verzichtet werden.

    Behandlung unter Einsatz modernster Technik
    Zur Vermeidung größerer Blutverluste werden Ultraschallskalpelle (SonoSurg) und bipolare Pinzetten eingesetzt. Die intraoperative Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane (IOUS) sowie die Möglichkeit zur gleichzeitigen Behandlung von Metastasen durch Radiofrequenzablation (RFA; Verbrennen von Krebszellen der Leber mit Hilfe von Radiowellen) oder chirurgische Ultraschallresektion (Gewebeentnahme unter Beobachtung mit Ultraschall) bietet eine Behandlung auf höchstem Niveau. Fernmetastasen können so erfolgreich im Gesamtkonzept mitbehandelt werden.

    Umfassende Nachbetreuung
    Nach einer Operation erhalten die Patienten interdisziplinär in Intensiv- und Intermediate-Care-Einheiten des Katharinen-Hospitals eine bestmögliche Fürsorge. Danach werden die Patienten in der Regel auf die interdisziplinäre Viszeralstation verlegt und dort von einem Team aus spezialisierten Gastroenterologen, Chirurgen und Onkopsychologen (mit psychosozialer Beratung und Informationen über Selbsthilfe mit anderen Betroffenen) bis zur Entlassung behandelt.


  • Das Darmzentrum Unna unterzieht sich einem ständigen Qualitätsvergleich mit anderen Darmzentren in NRW. Der wissenschaftliche Austausch und die Orientierung an Leitlinien sorgen für eine stetige Überprüfung der Behandlungswege im Sinne der Patienten.

    Die Qualitätssicherung des Darmzentrums beinhaltet:

    • Bundesweit einheitliche externe Qualitätskontrolle
    • Festgelegte Kommunikationsstrukturen innerhalb der Klinik (Tumorboard/onkologische Konferenz)
    • Standardisierte Kooperation mit niedergelassenen Hausärzten, Internisten und Gastroenterologen
    • medizinische Qualitätssicherung durch das Westdeutsche Darm-Centrum (WDC)

  • Die enge Kooperation der Ärzte der verschiedenen Kliniken und Fachbereiche mit den betreuenden Ärzten im ambulanten Bereich dient dem intensiven Informationsaustausch im Sinne einer hochwertigen Patientenversorgung.

    Austausch für Behandlung auf neuestem Wissensstand
    Die Anbindung an die Ruhr-Universität Bochum durch die direkte Zusammenarbeit der Viszeralchirurgie (Chefarzt Prof. Dr. Mittelkötter) mit dem Darmzentrum Ruhr (Prof. Dr. Uhl, Uniklinik St. Josef-Hospital Bochum) sowie der universitären Pathologie (Prof. Dr. Tannapfel, Ruhr Universität Bochum) sichert eine moderne, patientenorientierte Krankenhausbehandlung auf höchstem Wissensstand.

    Kooperationen über das Krankenhaus hinaus
    Kooperationen mit der Selbsthilfegruppe für Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa Unna (erleichtern unseren Patienten die Rückkehr in den Alltag nach der Entlassung. Die Anbindung an die weiterbehandelnden niedergelassenen Hausärzte und Gastroenterologen gewährt dabei eine lückenlose Gesamttherapie.


  • Wir bieten:

    • Wöchentliche interdisziplinäre Tumorkonferenz
    • Pflegerische Begleitung
    • Onkologische Fachpflege
    • Sozialdienst
    • Psychologie / Psychoonkolgie
    • Physiotherapie
    • Stomatherapie*
    • Spezielle Schmerztherapie
    • Seelsorge
    • Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen
    • Nachsorgeuntersuchungen in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten
    • Zentrales Patientenmanagement*
    • Teilnahme an Studien
    • Tumordokumentation
    • Umfassende Nachbetreuung
    • Stomasprechstunde

    *Stomatherapie
    In der Stomasprechstunde steht ein Team aus Ärzten und Fachpflegern den Stomapatienten (Patienten mit künstlichem Darmausgang) für Fragen und Beratung zur Verfügung.

    Ihre Ansprechpartner:
    Leitender Oberarzt  Dr. Alexander Janzen
    Oberärztin PD Dr. Sabine Kersting
    Oberazt PD Dr. Gerhard Leder

    *Zentrales Patientenmanagement
    Alle Patienten, die aufgrund der Darmerkrankung operiert werden müssen, werden Zentrale Patientenmanagement (ZPM) betreut. Das bedeutet, dass von der Aufnahme bis zur Entlassung alle Schritte vorab geplant werden. Damit besteht für die Patienten und die einweisenden Ärzte eine zentrale Anlaufstelle, die kompetente Auskunft bei Rückfragen geben kann.