Pankreaszentrum


Das Mediziner-Team des Pankreaszentrums am Katharinen-Hospital in Unna behandelt gut- und bösartige Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Dabei erfordert die Unterscheidung von Krebserkrankungen und Entzündungen der Bauchspeicheldrüse ein hohes Maß an Erfahrung. Um Patienten mit Krankheiten der Bauchspeicheldrüse menschlich und fachlich bestmöglich zu behandeln, haben sich die Mediziner am Katharinen-Hospital darauf spezialisiert.

Eine hohe Behandlungsqualität ist uns wichtig. Das Katharinen-Hospital ist nach DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert. Es wurde bereits im Jahr 2002 auf allen Ebenen des Krankenhauses ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem eingeführt.

Eine individuelle und präzise Beurteilung der zugrunde liegenden Erkrankung der Bauchspeicheldrüse ist äußerst entscheidend. Demzufolge werden alle Patienten im Rahmen unserer hochspezialisierten Pankreas-Sprechstunde beraten.

Terminvergabe im Rahmen unserer Pankreas-Sprechstunde mittwochs von 10 bis 13 Uhr oder täglich nach Vereinbarung.

Leistungsspektrum

Die diagnostische Abklärung der Erkrankung der Bauchspeicheldrüse und ihre Therapie stellen hohe Anforderungen an die  Ärzte. In den vergangenen Jahren haben sich in der Diagnostik und Behandlung von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen zahlreiche Neuerungen ergeben, die das Ärzteteam des Katharinen-Hospitals anwendet.

  • Lage und Aufbau (Anatomie)
    Die Bauchspeicheldrüse (das Pankreas) ist ein Drüsenorgan und liegt im Oberbauch hinter dem Bauchfell (retroperitoneal) in der Höhe des 2. Lendenwirbels. Sie ist 14-18 cm langes, 3-4 cm breites und ca. 2 cm dickes keilförmiges Organ, das von einer zarten Kapsel aus kollagenem Bindegewebe umgeben ist. Das 40 bis 120 g schweres Organ wird anatomisch in Pankreaskopf, Pankreaskörper und Pankreasschwanz unterteilt. Sie wird vom Pankreasgang (ductus pankreaticus) durchzogen, der in die Pailla vateri des Zwölffingerdarmes (des Duodenums) mündet. 

    Funktion (Physiologie)
    Die Hauptaufgaben der Bauchspeicheldrüse sind die Bildung von Verdauungsenzymen  (exokrine Funktion) und von Hormonen (endokrine Funktion), die eine entscheidende Rolle im Rahmen von Verdauungsprozessen und der Regulierung des Blutzuckerspiegels spielen.

    Als exokrine Drüse produziert das Pankreas täglich bis zu drei Liter Sekret mit Enzymen zur Verdauung von Fett, Kohlehydraten und Eiweiß. Die eiweißspaltenden Enzyme könn-ten das Pankreas selbst andauen, deshalb kommen sie hier in inaktiver Form vor.

    Neben dem Speichel werden vom endokrinen Anteil des Pankreas, den Langerhans-Inseln, Hormone zur Steuerung der Konzentration von Glukose direkt ins Blut abgegeben. Insulin ist das einzige Hormon, das den Blutzuckerspiegel senken kann. Sein Gegenspie-ler ist das Glucagon, dessen Hauptaufgabe ist, den Blutzuckerspiegel zu erhöhen.



Akute Pankreatitis


  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse führen zu Störungen der Verdauung oder zur un-kontrollierten Sekretion bestimmter Hormone. Überwiegenden ist der exokriner Anteil  des Organes betroffen.

    Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

    Akuter Pankreatitis ist eine plötzlich auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Der Verlauf dieser Erkrankung gestaltet sich meist mild und selbstlimitierend, kann aber auch massiv sein und zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Im Rahmen des ent-zündlichen Schubs entsteht eine Schädigung der Bauchspeicheldrüsenzellen mit einer vorübergehenden Funktionseinschränkung der Bauchspeicheldrüse. Bei einer massiven Schädigung kann es zu einem Absterben vom Pankreasgewebe kommen. Dabei werden verschiedene toxische Stoffe in den gesamten Körper ausgeschüttet.

    Komplikationen der schweren akuten Pankreatitis

    • Pseudozystenbildung durch die Kollektion des Bauchspeichels.
    • Ansammlung von abgestorbenem Gewebe in und um das Organ (walled off necrosis).
    • Langfristige exokrine sowie endokrine Funktionsstörung des Pankreas. Durch die unzureichende Produktion von Verdauungsenzymen entwickeln sich Verdauungsstörungen. Wird in Folge einer schweren Zellschädigung zu wenig Insulin gebildet, entsteht eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

    Symptome

    • plötzlicher Beginn
    • Starke, dumpfe, gürtelförmige, in den Rücken ausstrahlende Oberbauchschmerzen
    • Übelkeit, Erbrechen
    • Fieber
    • schlechtes Allgemeinbefinden

     





  • Die häufigsten Ursachen (etwa 90%) für eine akute Pankreatitis sind das Vorliegen von Gallensteinen und der Alkoholkonsum. Nicht immer führt ein übermässiger Alkoholgenuss zur akuten Pankreatitis. Es gibt Menschen mit einer hohen Empfindlichkeit, die auch bei mässigem Alkoholgenuss eine akute Pankreatitis entwickeln können. Dabei verursachen die schädigenden Abbauprodukte des Alkohols die Entzündungsreaktion. Die Translation der Gallensteine aus der Gallenblase in den Gallengang  kann zur Abflussstörung des Bauchspeicheldrüsengangs vor der Einmündung in den Zwölffingerdarm führen. Eine akute Pankreatitis wird in diesem Fall durch das mechanische Hindernis ausgelöst.

  • Ist eine Operation notwendig?
    Eine akute Pankreatitis wird zunächst konservativ behandelt. Bei der zunehmender Ver-schlechterung des Patienten wird eine Drainage der Flüssigkeitsansammlungen ange-strebt. Je nach lokalem Befund wird diese interventionell oder operativ durchgeführt.

    Neben der Behandlung des akuten Entzündungsschubs sind die Diagnostik und Therapie der Ursache von großer Bedeutung. Beim mechanischen Hindernis durch einen Gallengangstein wird dieser mit Hilfe der ERCP entfernt und die Passage der Sekrete des Pankreas und der Leber in den Zwölffingerdarm wiederhergestellt. Nach dem Ausheilen der akuten Pankreatitis muss die Gallenblase entfernt werden. Überwiegend wird die Operation in der sogenannten Schlüsselloch-Technik (laparoskopische Cholezystektomie) durchgeführt.
     

Chronische Pankreatitis


  • Eine andauernde Entzündung der Bauchspeicheldrüse führt zur langsamen aber sicheren Schädigung der funktionstüchtigen Zellen im Organ. In Folge der kontinuierlichen Zerstörung wird das Pankreasgewebe durch narbenartiges Gewebe ersetzt und die Bauchspeicheldrüse verliert ihre normale Funktion. Es entwickeln sich Durchfälle und es kommt auf lange Sicht zum Gewichtsverlust. Die Reduktion der insulinproduzierenden Zellen führt zur Störung des Zuckerstoffwechsels und begünstigt die Entwicklung eines Diabetes mellitus. Diese Erkrankung zeichnet sich im Laufe der Zeit durch zunehmende Oberbauchschmerzen, die häufig auch durch stärkste Schmerzmittel nicht mehr gelindert werden können.

    Symptome

    • Schmerzen
    • Verdauungsstörungen
    • Durchfall
    • Gewichtsverlust
    • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) 

  • Die häufigste Ursache (80%) der chronischen Pankreatitis ist der übermäßige Alkoholkonsum. Es gibt jedoch Betroffene mit niedrigen „Toleranzgrenzen", bei den eine relativ geringe Menge an Alkohol die Krankheit auslösen kann. Seltener wird die chronische Pankreatitis durch die Fehlanlage der Bauchspeicheldrüsengänge (Pancreas divisum), Gendefekte und Stoffwechselstörungen verursacht.


  • Die Indikation einer chirurgischen Therapie richtet sich hauptsächlich nach bestehenden Veränderungen im Organ und damit verbundenen Symptomen der Patienten.

    • Die Schmerzsymptomatik kann nicht kupiert werden und beeinträchtigt die Lebensqualität.
    • Durch den narbigen Umbau der Bauchspeicheldrüse kommt es zum Verschluss des Zwölffingerdarms oder des Gallengangs.
    • Beim Tumorverdacht.
    • Bei der Ausbildung von symptomatischen Pseudozysten.


Tumore

  • Pankreastumore

    Pankreastumore betreffen in 98 % der Fälle den exokrinen Anteil. In der Mehrheit sind es bösartige Adenokarzinome (duktale Adenokarzinome). Ein wichtiger Risikofaktor ist die chronische Pankreatitis. Etwa einer von 50 Betroffenen entwickelt innerhalb von zehn Jahren ein Karzinom. Diabetes verdoppelt das Karzinomrisiko.
    Die Tumore der gemeinsamen Mündung der Gallen- und Pankreasgänge (Papille Vateri) sind überwiegend Adenokarzinome. Aufgrund der schnell auftretenden Symptomatik (Gelbsucht)  werden sie frühzeitig erkannt und haben daher eine relativ gute Prognose.


    Zystische Tumore

    •    Seröses und muzinöses Zystadenom / Zystadenokarzinom
    •    Intraductal papillär-muzinöse Neoplasie (IPMN)
    •    Solid pseudopapillärer Pankreastumor (Frantz-Tumor)


    Endokrine Tumore

    Endokrine Pankreastumoren (pankreatische neuroendokrine Neoplasien PaNEN) Kenn-zeichen sich durch den endokrinen Aufbau und bilden  1-2 % der Pankreastumore. Etwa die Hälfte dieser Tumore verursacht durch unkontrollierte Sekretion bestimmter Hormone Krankheitserscheinungen.

    Insulinom

    •    häufigster endokriner Pankreastumor
    •    90% gutartig
    •    unkotrollierte Insulinproduktion (Heißhunger, neurologische Symptomatik)

    Gastrinom (Zöllinger Ellison Syndrom)

    •    80% sind im Pankreas lokalisiert
    •    über 60% maligne
    •    bei Diagnosestellung haben über 50% schon metastasiert
    •    führen durch überschießende Gastrinproduktion zu therapieresistenten Ulcera im Ma-gen, Duodenum und sogar Jejunum
    •    Tumorresektion nur möglich wenn noch nicht metastasiert
    •    medikamentöse Säureblockade

    VIPom

    •    sezerniert Vasoaktives intestinales Polypeptid
    •    wässrige Durchfälle
    •    Hypokaliämie
    •    Achlorhydrie

    Glukagonom

    •    sezerniert übermäßig Glukagon
    •    Diabetes mellitus, Gewichtsverlust


    Seltene Tumore


    •    Azinuszellkarzinom (wird häufig nach Metastasierung in die Leber entdeckt)
    •    Pankreasblastom


  • Die Diagnostik der Pankreaserkrankungen umfasst neben einem ausführlichen persönli-chen Gespräch im Rahmen unserer hochspezialisierten Pankreas-Sprechstunde zusätzliche laborchemische, endoskopische und bildgebende Untersuchungen.

    • Labor (Der Tumormarker Ca 19-9 wird im Blut bestimmt.  In der primären Diagnostik spielt er jedoch eine sekundäre Rolle und kann im Rahmen einer Gelbsucht fälschli-cherweise erhöht sein. In einigen Fällen liegt dieser Wert trotz eines Tumors im Normbereich. Vielmehr wird das Ca 19-9 zum Monitoring der Erkrankung im Rahmen der weiteren Therapie bestimmt)
    • Sonographie sowie Kontrastmittelsonographie (CEUS)
    • Computertomographie (CT)
    • Kernspintomographie (MRT mit MRCP)
    • Endosonographie mit ggf. Feinnadelbiopsie
    • Endoskopische Retrograde Cholangio-Pankreatiko-Graphie (ERCP)
    • Cholangioskopie und Biopsie

     

     

  • Kurative Therapie
    Die Heilung bei bösartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse kann lediglich durch eine Operation erzielt werden. Der kurnative Ansatz einer Operation bedeutet eine vollständige Entfernung des Tumors und ist bei Diagnosenstellung jedoch nur in ca. 20% möglich.

    Trotz einer erfolgreichen Operation kann der Tumor im Verlauf der Zeit erneut kommen (Rezidiv) oder Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

    Adjuvante Therapie
    Aus diesem Grund wird nach einer „kurativen“ Operation eines bösartigen Tumors eine Chemotherapie empfohlen, um einem Rezidiv sowie der Ausbildung von Metastasen im Verlauf entgegen zu wirken.

    Neoadjuvante Therapie
    Dieses Konzept der Behandlung inkludiert eine Chemotherapie, eventuell in Kombination mit Bestrahlung vor einer Operation. Diese Behandlungsform wird besonders bei Tumoren angesetzt, die in der Diagnostik aufgrund der Größe und der unmittelbaren Nähe zu lebenswichtigen Gefäßen als primär inoperabel interpretiert werden.

    Palliative Therapie

    Die Palliative Therapie wird dann eingeleitet, wenn der Tumor operativ nicht entfernt wer-den kann oder eine Operation aufgrund der Metastasen nicht sinnvoll ist. Diese Behand-lung soll das Wachstum des Tumors verzögern und die durch die Tumorerkrankung ver-ursachten Symptome lindern.

  • Die operative Therapie der Bauchspeicheldrüse ist sehr komplex und sollte an einem Zentrum mit grosser Erfahrung betrieben werden.

    pp-Whiple-OP (Magenausgang-erhaltene Whipple-OP
    Bei einem Tumor im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkopfes, müssen neben dem Tumor der angrenzende Teil des Gallenganges mit der Gallenblase und der Zwölffingerdarm entfern werden. Im Anschluß erfolgt eine Rekonstruktion durch eine Dünndarmschlinge, die mit der Bauchspeicheldrüse, dem Gallengang und dem Magenausgang verbunden wird.

    Klassische Whipple-OP
    Bei einem in den Magen reichenden Tumor ist es notwendig, zusätzlich einen Teil des Magens zu entfernen.

    Pankreas-Linksresektion
    Die Operation umfasst die Entfernung des Bauchspeicheldrüsenkörpers und des Schwanzes zusammen mit den umgebenden Lymphknoten und der Milz.

    Pankreas-Segmentresektion

    Bei gutartigen Tumoren im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkörpers kann eine Pan-kreas-Segmentresektion durchgeführt werden. Im Rahmen dieses Operationsverfahrens wird der größte Teil des Organs erhalten. Für die Rekonstruktion wird eine Dünndarm-schlinge verwendet. Angesichts der seltenen gutartigen Tumore der Bauchspeicheldrüse, wird dieses Operationsverfahren nicht häufig eingesetzt. Deshalb sollte es an spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

    Zwölffingerdarm-erhaltende Pankreaskopfresektion

    Dieses Verfahren wird in der operative Therapie einer chronischen Pankreatitis eingesetzt. Dabei wird das häufig im Kopfbereich am stärksten geschädigte Pankreasgewebe entfernt. Die umliegenden Organe werden geschont. Anschließend wird eine Dünndarmschlinge mit der Bauchspeicheldrüse verbunden.

    Pankreatektomie

    Eine radikale totale Duodenopankreatektomie wird ausschließlich durchgeführt, wenn ein Organerhalt nicht möglich ist.

Entfernung der Bauchspeicheldrüse

  • Durch die teilweise oder völlige Entfernung der Bauchspeicheldrüse gehen sowohl das Drüsengewebe, das Verdauungsenzyme bildet, als auch für die Blutzuckerregulierung verantwortliche Zellen verloren. Eine völlige Entfernung der Bauchspeicheldrüse löst deshalb unter anderem einen insulinpflichtigen Diabetes aus (pankreopriver Diabetes). Dieser kann auch bei einer Teilentfernung der Bauchspeicheldrüse auftreten.

    Ersatz von Pankreasenzymen
    Moderne Präparate  (z.B. Creon, Panzytrat) ersetzen die Enzyme der Bauchspeicheldrüse und müssen zu allen Hauptmahlzeiten und auch bei fett- oder proteinreichen Zwischenmahlzeiten eingenommen werden.

    Blutzuckerkontrollen, Insulinsubstitution
    Die hohen Blutzuckerwerte infolge einer Bauchspeicheldrüsenkrankheit oder einer Operation erfordern eine entsprechende Blutzuckereinstellung. Diese erfolgt mehrheitlich mit Insulin.

    Impfungen nach der Milzentfernung (Splenektomie)
    Bei fehlender Milz besteht lebenslang ein erhöhtes Risiko für hämatogene bakterielle und Pilzinfektionen. Daher werden nach einer Splenektomie Schutzimpfungen gegen Streptococcus pneumoniae, Haemophilus Influenzae und Meningokokken sowie eine jährliche Grippeimpfung empfohlen.

Chefarzt

Prof. Dr. Ulrich Mittelkötter

Facharzt für Allgemeine Chirurgie
Facharzt für Viszeralchirurgie

Prof. Dr. Ulrich Mittelkötter

Leitender Oberarzt

Dr. Alexander Janzen

Facharzt für Allgemeine Chirurgie
Facharzt für Viszeralchirurgie

 Dr. Alexander Janzen