Zwischen den Schichten

Mit einer neuen Methode können die Mediziner der Gastroenterologie des Katharinen-Hospitals Vorstufen und Frühformen von Krebs entfernen.

Je früher, desto besser: Dieser Leitsatz prägt die Arbeit der Mediziner in der Gastroenterologie des Katharinen-Hospitals. Um schon Vorstufen und Frühstadien von Krebs im Magen-Darm-Trakt erkennen und entfernen zu können, setzen sie auf ein ganz neues Verfahren. Betroffenes Gewebe wird über ein Endoskop an einem Stück entnommen, was die anschließende Untersuchung durch die Pathologie aussagekräftiger macht. Und für Patienten ist das Verfahren äußerst schonend.

Das „Schichtmodell“

„In gewissen Teilgebieten sind neue, schonende endoskopische Verfahren einsetzbar. Diese sogenannten Submukosa-Eingriffe machen sich den schichtförmigen Aufbau des Magen-Darm-Traktes zu Nutze“, schildert Oberarzt Rene Emminghaus. Aus drei Schichten ist der Magen-Darm-Traktes regelhaft aufgebaut: der Mucosa (Schleimhautschicht), der darunter gelegenen Submukosa (minimale Bindegewebsschicht) und der Muscularis (Muskelschicht), welche das Organ begrenzt.

Gibt es bei Patienten nun eine auffällige Wucherung des Magen-Darm-Traktes, wird zunächst diese sorgfältig mittels Endoskop und verschiedener Färbe- und Vergrößerungstechniken inspiziert. Eine erste Probe wird entnommen und begutachtet. „Ist man sich dann sicher, dass die Wucherungen lokal auf die Schleimhautschicht begrenzt sind, ist die schonende Entfernung per Magen- oder Darmspiegelung möglich“, so Emminghaus.

Das neue Verfahren

Beim sogenannten Submukosaeingriff, wie das neue Verfahren am Katharinen-Hospital heißt, wird das betroffene Gewebe mit  einem winzigen Messer in einem Stück entfernt. Die anschließende pathologische Bewertung ist somit deutlich zuverlässiger. Konkret funktioniert dies so: Nach der Markierung des zu entfernenden Gewebestückes wird die Submukosa mittels Flüssigkeit verbreitert. Anschließend kann, Millimeter für Millimeter, die zu entfernende Wucherung von der unterliegenden Muskelschicht sozusagen „filetieren“ werden. Die entstandenen kleinen Wunden heilen anschließend von selbst zu, kleinere Blutungen können direkt verödet werden. In aller Regel kann der Patient bereits nach ein bis zwei Tagen das Krankenhaus verlassen. Eingriffe dieser Art sind an Speiseröhre, Magen und Darm sehr schonend durchzuführen.

Behandlung funktioneller Störungen möglich

Ein weiteres und neues Feld der Submukosachirurgie bietet die Behandlung von funktionellen Störungen des Magen-Darmtraktes. Diese bedeuten für viele Patienten eine große Einschränkung der Lebensqualität. So kommt es etwa bei Verkrampfungen des unteren Speiseröhrenmuskels (Achalasie), einer Verkrampfung des Magenpförtners (Pylorusspasmus) oder der Trägheit des Magens (Gastroparese) zur Störung der Weiterleitung der Nahrung. Häufig gelangt Nahrung dann kaum aus dem Magen, was starkes Völlegefühl, Oberbauchschmerz oder wiederkehrendes Erbrechen nach sich zieht. Mittels Submukosa-Eingriff kann der krampfende Muskel nun therapiert werden.

Hierzu wird über einen kleinen Einschnitt in die Schleimhautschicht (Mucosa) mit dem Endoskop ein „Tunnel“ zwischen den Schichten errichtet. Der krampfende Muskel wird so erreicht und mit einem feinen Messer gespalten. Der Schleimhauteinschnitt wird mit kleinen Clips verschlossen, die der Körper selber wieder ausscheidet. Nach dem Durchtrennen des Muskels kann in der Regel die Nahrung wieder ungehindert „passieren“. Auch dieser Eingriff ist sehr schonend. Patienten können das Krankenhaus in der Regel nach drei Tagen verlassen.

„Mit diesen Eingriffen können wir unseren Patienten eine tolle Medizin auf höchstem Niveau anbieten“, ist Chefarzt Prof. Dr. Klaus Schlottmann (Innere Klinik I / Gastroenterologie) überzeugt. Er und Oberarzt Rene Emminghaus fördern daher an vielen Stellen den Einsatz der hochkomplexen endoskopischen Methoden im Katharinen-Hospital.