Weltweite Schrittmacher-Innovation

Klein, intelligent, MRT-fähig für Patienten

Die Spannung im Hybrid-OP der Kardiologie war mit Händen zu greifen. Zum ersten Mal in Deutschland und erst zum zweiten Mal weltweit wurde am Donnerstag (10. Januar 2019) ein Herzschrittmacher der neuesten Generation im Katharinen-Hospital implantiert. „Da hat man schon das Gefühl, Innovationen für die Patienten ganz persönlich mit voranbringen zu können“, beschreibt der Leitende Oberarzt Dr. Andreas Schouwink nach erfolgreicher Arbeit sein „gutes Gefühl“. Die Patientin, die aufgrund von Herzrhythmusstörungen behandelt werden musste, konnte so bestens versorgt den OP verlassen.

Drei besondere Kriterien zeichnen das neue Gerät „MicroPort CRM – Teo“ aus.
Die geringe Größe: Es ist der weltweit kleinste Schrittmacher bei gleichzeitig längster Laufzeit von 12 Jahren.
Die Intelligenz: Er stellt sich auf die jeweils vorliegenden Ruhe- oder Belastungsphasen des Patienten selbstständig ein.
Die MRT-fähigkeit: Selbst wenn Patienten beispielsweise in einem 3-Tesla-Gerät umfangreiche Untersuchungen erhalten müssen, gibt es keine Probleme. Bei dem modernen Gerät sind Schrittmacher-Einheit und Sonden so aufgebaut, dass sie durch das starke Magnetfeld eines MRT weder überhitzen noch beschädigt werden können.

„Dass der Schrittmacher so klein ist, hat wirklich viele Vorteile“, weiß Dr. Schouwink aus seiner großen Erfahrung in der Kardiologie des Katharinen-Hospitals. Insbesondere jüngere oder schlanke Patienten können das Gerät – psychisch und körperlich – deutlich besser „vertragen“, wenn es gut und sozusagen unauffällig im Gewebe einzubetten ist.

Eine deutliche Qualitätsverbesserung hat zudem die sogenannte Doppelsensoren-Technologie des „Teo“. Sie kann selbstständig erkennen, ob sich Patienten bewegen oder ruhen, ob sie unter Stress stehen oder nicht – und dann in Echtzeit eine angepasste Therapie entwickeln. Dahinter steht eine hochmoderne Software, die unter anderem durch Vorprogrammierung möglich ist, die auf großer medizinischer Erfahrung beruht. Sie macht aus diesem Herzschrittmacher ein Mini-Gerät, das mitdenkt und mit dem Patienten lernt. 

Mit dem neuartigen Schrittmacher ist auch ein neues Programmiergerät im Katharinen-Hospital eingezogen. „Damit sind wir jetzt in der Lage sämtliche am Markt befindlichen Herzschrittmacher- und Defibrillatorgeräte einzusetzen sowie in der Nachsorge für die Patienten sehr gut zu überwachen.“ Davon ist auch Chefarzt PD Dr. Georg Nölker überzeugt, der die Implantation dieser neuen Geräte-Generation in der Kardiologischen Klinik konsequent unterstützt.

 

HINTERGRUND                                                                                                

Wann wird ein Herzschrittmacher eingesetzt?
Wenn das Herz krankhaft zu langsam schlägt, wird nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper gepumpt. Betroffene fühlen sich häufig schwach oder haben Luftnot. Die mangelnde Durchblutung kann zu Schwindel bis hin zur Ohnmacht führen. Im schlimmsten Fall bricht der Kreislauf zusammen. Doch in vielen Fällen lässt sich diese Gefahr mit einem Herzschrittmacher bannen. Weit mehr als 100.000 Herzschrittmacher werden in Deutschland im Jahr eingesetzt.

So funktioniert ein Herzschrittmacher
Dünne Drähte führen vom Herzschrittmacher ins Herz und registrieren dort den Herzrhythmus. Kommt es zu Störungen, ist dieser also zu langsam oder setzt ganz aus, gibt der Herzschrittmacher über Elektroden elektrische Impulse ab, die das Herz zum Schlagen antreiben. 

Es gibt verschiedene Arten von Herzschrittmachern

  • Beim Einkammerschrittmacher führt eine Elektrode in die rechte Vor- oder Hauptkammer des Herzens.
  • Beim Zweikammerschrittmacher führt jeweils eine Elektrode in die rechte Vorkammer und in die Hauptkammer.
  • Beim Dreikammerschrittmacher führt zusätzlich eine Elektrode an die linke Hauptkammer.

Welcher Schrittmacher eingesetzt wird, hängt von der Art der Herzrhythmusstörung ab und wird für jeden Patienten individuell von den behandelnden Ärzten festgelegt. Menschen mit Herzschwäche, deren Herz auch keinen gesunden Takt hat, bekommen häufig einen Dreikammerschrittmacher. Patienten mit schwerer Herzschwäche und einem hohen Risiko für einen plötzlichen Herztod erhalten Schrittmacher, die auch einen Defibrillator enthalten, der lebensgefährliche Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder -flattern mit gezielten Stromstößen beenden kann.